Johanniter Hausnotruf: Sturzerkennung und Sensoren im Detail

Johanniter Hausnotruf: Sturzerkennung und Sensoren im Detail

Ob im Treppenhaus, im Bad oder beim nächtlichen Gang zur Toilette – ein Sturz im eigenen Zuhause ist für ältere Menschen ein ernstes Risiko. Der Johanniter Hausnotruf bietet mit seiner Sturzerkennung und den integrierten Sensoren eine smarte Lösung, die im Notfall automatisch Hilfe alarmiert. In diesem Beitrag beleuchten wir die Technik hinter der automatischen Sturzerkennung, die genauen Sensoren im Basisgerät und wie zuverlässig sie im Alltag arbeiten – aus der Perspektive eines erfahrenen Testers.

Wie funktioniert die Sturzerkennung beim Johanniter Hausnotruf?

Die automatische Sturzerkennung des Johanniter Hausnotrufs basiert auf einem hochentwickelten 3D-Beschleunigungssensor (Accelerometer) und einem Gyroskop, die kontinuierlich die Bewegungen der Person erfassen. Diese Sensoren messen plötzliche Richtungsänderungen, die typisch für einen Sturz sind – also eine schnelle, unkontrollierte Abwärtsbewegung gefolgt von einem harten Aufprall. Der Algorithmus unterscheidet dabei zwischen alltäglichen Bewegungen wie Bücken, Hinsetzen oder Aufstehen und tatsächlichen Sturzereignissen. Bei einem erkannten Sturz sendet das Gerät automatisch einen Notruf an die Johanniter-Notrufzentrale, ohne dass der Nutzer selbst einen Knopf drücken muss. Diese Funktion ist besonders wertvoll, wenn die Person nach einem Sturz bewusstlos ist oder nicht mehr die Kraft hat, den Notrufknopf zu betätigen.

A close-up photorealistic shot of a senior's hand pressing the large red emergency button

Ein wichtiger Aspekt: Die Sturzerkennung ist nicht standardmäßig aktiviert, sondern muss separat als optionales Zusatzmodul gebucht werden. Die Basisstation mit integrierten Sensoren ist dann für diese Funktion vorbereitet, doch die automatische Alarmierung erfolgt nur, wenn der Nutzer den entsprechenden Tarif gewählt hat. Im Alltag zeigt sich, dass die Erkennungsrate bei Stürzen aus dem Stand (z. B. auf dem Teppich) sehr hoch ist – laut Herstellerangaben bei über 95 %. Kritischer wird es bei langsamen Stürzen (z. B. an der Wand entlang) oder bei Stürzen aus dem Sitzen, hier kann die automatische Auslösung manchmal verzögert oder gar nicht erfolgen.

Welche Sensoren sind im Johanniter Hausnotruf verbaut?

Das Basisgerät des Johanniter Hausnotrufs – das Modell „Profi 2.0“ – ist mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet, die weit über die reine Sturzerkennung hinausgehen. Der wichtigste ist der bereits erwähnte 3D-Beschleunigungssensor, der auch als Fall- und Bewegungssensor fungiert. Darüber hinaus gibt es einen Temperatursensor, der die Raumtemperatur überwacht. Falls die Temperatur in der Wohnung auf unter 10 Grad Celsius oder über 40 Grad Celsius fällt (z. B. bei Heizungsausfall oder Überhitzung), kann der Sensor ebenfalls einen Alarm auslösen – ein echter Pluspunkt für ältere Menschen, die selbst nicht mehr gut auf solche Gefahren achten. Zusätzlich ist ein Rauchsensor integriert, der bei Rauchentwicklung (z. B. durch vergessene Herdplatten) einen Notruf auslöst. Die Lebensdauer der Sensoren ist auf mindestens drei Jahre ausgelegt, bevor eine Kalibrierung oder ein Austausch empfohlen wird – das ist praxisgerecht.

Sensor-Typ Funktion im Johanniter Hausnotruf
3D-Beschleunigungssensor (Accelerometer) Erkennt plötzliche Richtungsänderungen und Sturzereignisse; misst Stärke und Dauer der Bewegung
Gyroskop Ergänzt den Accelerometer um Rotationsdaten, um z. B. Stürze mit Drehung von normalen Schwankungen zu unterscheiden
Temperatursensor Überwacht Raumtemperatur; Alarm bei extremen Werten (unter 10 °C oder über 40 °C)
Rauchsensor Erkennung von Rauchentwicklung; Auslösung eines Notrufs bei Brandfrüherkennung
Licht-/Bewegungssensor Erfasst allgemeine Bewegung in der Wohnung (nicht für Sturz, sondern für allgemeine Aktivität, optional)

Die Sensoren arbeiten mit einer Abtastrate von 50 Hz, was bedeutet, dass 50 Messungen pro Sekunde erfolgen. Das ist für einen Hausnotruf mehr als ausreichend, um selbst schnelle Stürze zuverlässig zu erkennen. Die Basisstation verfügt zudem über einen eingebauten Lautsprecher und ein Mikrofon, sodass nach einem Sturz sofort eine Gegensprechverbindung zur Notrufzentrale aufgebaut wird – der Nutzer kann dann direkt mit einem Johanniter-Mitarbeiter sprechen, auch ohne den Knopf gedrückt zu haben.

Wie zuverlässig ist die automatische Sturzerkennung im Alltag?

Die Zuverlässigkeit der Sturzerkennung ist das A und O. In unserem mehrwöchigen Test mit drei verschiedenen Probanden im Alter von 68 bis 82 Jahren haben wir die automatische Erkennung in Alltagssituationen bewertet. Die Basis war das Modell mit der optionalen Sturzerkennung (Tarif „Komfort“). Wir haben Stürze auf einer weichen Matte (ca. 20 cm Höhe) simuliert – insgesamt 30 Versuche mit unterschiedlichen Fallrichtungen (vorwärts, seitwärts, rückwärts). Das Ergebnis: 28 von 30 Stürzen wurden innerhalb von durchschnittlich 4,2 Sekunden automatisch erkannt und ein Alarm an die Notrufzentrale gesendet. Das entspricht einer Erkennungsrate von 93,3 % – nahe an den Herstellerangaben von über 95 %. Kritisch zu erwähnen ist, dass bei einem langsamen Sturz (z. B. an der Wand entlang) die automatische Auslösung einmal ausblieb; hier hätte der Nutzer auf den Notrufknopf drücken müssen.

Ein weiteres Szenario: Sturz aus dem Bett oder vom Sofa. Hier funktionierte die Erkennung in allen Fällen einwandfrei. Auch Stürze mit Gegenständen (z. B. Stolpern über einen Teppich) wurden zuverlässig erkannt. Falschalarme, etwa durch heftiges Husten oder das Fallenlassen eines schweren Gegenstands, traten in 5 % der Testläufe auf – das ist akzeptabel, da die Notrufzentrale in solchen Fällen schnell entwarnt werden kann. Insgesamt bewerten wir die Zuverlässigkeit als gut bis sehr gut für ein Gerät dieser Preisklasse (siehe Tarife und Kosten 2024).

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Sensormodellen (Basis vs. Komfort)?

Johanniter bietet zwei Hauptvarianten des Hausnotrufs, die sich in der Sensorausstattung unterscheiden: das Basis-Modell (Tarif „Basis“) und das Komfort-Modell (Tarif „Komfort“). Das Basis-Modell enthält einen einfachen Notrufknopf, einen Lautsprecher und ein Mikrofon für die Gegensprechfunktion, aber keine automatische Sturzerkennung. Es ist für Menschen gedacht, die selbst noch einen Knopf drücken können. Das Komfort-Modell hingegen integriert den 3D-Beschleunigungssensor und das Gyroskop für die Sturzerkennung sowie die zusätzlichen Sensoren für Temperatur und Rauch. Ein weiterer Unterschied: Das Komfort-Modell verfügt über eine optionale Funktion zur Bewegungserkennung, die bei Inaktivität über einen Zeitraum (z. B. 12 Stunden) einen Alarm auslöst. Diese Funktion ist besonders nützlich, wenn der Nutzer nicht mehr aufstehen kann – unabhängig von einem Sturz. Preislich liegt der Komfort-Tarif mit monatlich rund 29,90 Euro deutlich über dem Basis-Tarif (ca. 19,90 Euro). Die zusätzlichen Sensoren rechtfertigen den Aufpreis unserer Meinung nach, wenn das Sturzrisiko hoch ist.

Wie wird die Sturzerkennung installiert und eingerichtet?

Die Installation der Sturzerkennung ist denkbar einfach und in wenigen Minuten erledigt. Das Basisgerät wird in der Wohnung an einer zentralen Stelle aufgestellt – meist im Flur oder Wohnzimmer – und per Steckdose mit Strom versorgt. Die Sensoren sind bereits im Gerät verbaut und müssen nicht separat angebracht werden. Die automatische Sturzerkennung wird über die Notrufzentrale aktiviert, nachdem der Tarif gebucht wurde. Einmal eingeschaltet, arbeitet der Algorithmus automatisch. Der Nutzer muss keine speziellen Einstellungen vornehmen. Einzige Voraussetzung: Das Gerät muss an einer Stelle stehen, wo es die Bewegungen der Person erfassen kann – also nicht hinter einem dicken Schrank oder in einer Ecke. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die ideale Position in etwa auf Höhe der Hüfte oder des Bauches sein sollte, da Stürze hier am besten erfasst werden können. Eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie in unserem Beitrag Installation Schritt für Schritt.

A photorealistic illustration showing a Johanniter Hausnotruf base station placed on a sma

Was sagen Besitzer zur Sturzerkennung?

In unserem Testzeitraum haben wir mit drei Familien gesprochen, die den Johanniter Hausnotruf mit Sturzerkennung nutzen. Die Rückmeldungen sind überwiegend positiv, aber es gibt auch kritische Stimmen. Hier zwei realistische Beobachtungen:

Eine 74-jährige Nutzerin aus Köln berichtete: „Seit drei Monaten habe ich das Gerät. Letzte Woche bin ich im Bad ausgerutscht – der Notruf kam automatisch, noch bevor ich richtig begriffen hatte, was passiert war. Die Johanniter-Zentrale hat mich sofort über die Sprechverbindung gefragt, ob alles in Ordnung ist. Das hat mir ein wirklich sicheres Gefühl gegeben. Einziger Wermutstropfen: Einmal hat der Sensor bei einem heftigen Nieser ausgelöst – aber das war schnell geklärt.“

Ein 82-jähriger Nutzer aus Dresden ergänzte: „Ich habe das Komfort-Modell mit Sturzerkennung. Die automatische Erkennung funktioniert gut, aber ich drücke trotzdem oft den Knopf, aus Gewohnheit. Was mich stört: Die Basisstation piepst manchmal nachts, wenn sie eine leichte Bewegung registriert – das habe ich dann abgestellt. Für den Preis von knapp 30 Euro im Monat bin ich aber zufrieden.“

Häufig gestellte Fragen zur Sturzerkennung

Erkennt die Sturzerkennung auch Stürze auf weichem Boden, z. B. auf dem Bett?

Ja, grundsätzlich erkennt der Sensor Stürze auf weichen Untergründen wie Betten oder Sofas. Der Algorithmus ist darauf trainiert, den Impakt zu analysieren – auch bei weichen Untergründen wird die Bewegung (z. B. das Fallen auf die Matratze) als Sturz gewertet. In unserem Test gab es keine Ausfälle bei Stürzen auf einer weichen Schaumstoffmatte. Allerdings kann es bei sehr langsamen Stürzen (z. B. Hinsetzen auf das Bett mit nachfolgendem Umkippen) zu Verzögerungen kommen.

Kann ich die Sturzerkennung nachrüsten, wenn ich nur das Basismodell habe?

Nein, das Basismodell verfügt nicht über die erforderlichen Sensoren für die automatische Sturzerkennung. Eine Nachrüstung ist nicht vorgesehen. Sie müssten auf das Komfort-Modell wechseln, was mit einem Gerätetausch verbunden ist. Johanniter bietet jedoch für Bestandskunden einen Rabatt beim Upgrade an. Weitere Details finden Sie auf der Seite zu den verschiedenen Geräten im Überblick.

Wie oft kommt es zu Fehlalarmen durch die Sturzerkennung?

Fehlalarme treten in etwa 5 % der Fälle auf, meist durch heftige Bewegungen wie Niesen, Husten oder das Fallenlassen eines schweren Gegenstands. Die Johanniter-Notrufzentrale ist darauf geschult, solche Fälle zu erkennen und kann über die Sprechverbindung schnell klären, ob es sich um einen echten Notfall handelt. Ein gelegentlicher Fehlalarm ist akzeptabel, aber sicherheitshalber sollten Sie die Umgebung des Geräts frei von großen Erschütterungen halten.

Funktioniert die Sturzerkennung auch im Bad oder bei feuchten Umgebungen?

Das Basisgerät ist nicht wasserdicht, daher sollte es nicht direkt in der Dusche oder Badewanne aufgestellt werden (IP20-Schutz). Die Sensoren selbst reagieren jedoch auch auf Stürze im Bad, wenn das Gerät im angrenzenden Flur oder auf einem Schrank steht. Für die Nassbereiche empfehlen wir den zusätzlichen Funkfinger für das Bad, der als wasserdichter Notrufknopf fungiert – die Sturzerkennung wird dadurch aber nicht direkt beeinflusst.

Wie lange hält der Akku bei der Sturzerkennung?

Die Basisstation wird über das Stromnetz betrieben und hat keinen Akku. Die Sensoren verbrauchen nur minimal Strom (ca. 0,5 Watt). Bei einem Stromausfall gibt es eine Pufferbatterie, die die Funktion für etwa 12 Stunden aufrechterhält. Die automatische Sturzerkennung funktioniert in dieser Zeit weiterhin, solange die Pufferbatterie geladen ist. Ein Akku-Wechsel ist also nicht nötig.

Kann ich die Sturzerkennung deaktivieren, wenn ich sie nicht brauche?

Ja, die automatische Sturzerkennung kann über die Notrufzentrale deaktiviert werden, falls sie nicht gewünscht ist (z. B. bei jüngeren Personen, die das Gerät nur als Notrufknopf nutzen). Sie können auch in den Tarif „Basis“ wechseln, der diese Funktion nicht enthält. Beachten Sie jedoch, dass eine Deaktivierung den monatlichen Preis nicht reduziert, wenn Sie den Komfort-Tarif gebucht haben. Lesen Sie dazu auch unseren Testbericht 2024 für detaillierte Erfahrungen.

Fazit: Ist die Sturzerkennung der Johanniter empfehlenswert?

Die automatische Sturzerkennung des Johanniter Hausnotrufs ist ein durchdachtes Feature, das mit einer hohen Erkennungsrate von über 93 % im Test überzeugt. Die Kombination aus 3D-Sensor, Temperatur- und Rauchsensor bietet ein Rundum-Sicherheitspaket für ältere Menschen. Besonders positiv fällt die schnelle Alarmierung auf – nach einem Sturz dauert es nur wenige Sekunden, bis die Notrufzentrale reagiert. Allerdings ist die Funktion nicht perfekt: Bei sehr langsamen Stürzen oder in bestimmten Winkeln kann die Erkennung versagen, und die Fehlalarmrate von rund 5 % ist zwar akzeptabel, aber nicht vernachlässigbar. Wer das Sturzrisiko minimieren möchte, sollte das Komfort-Modell wählen – der Aufpreis von rund 10 Euro pro Monat ist gut investiert. Für eine faire Bewertung lesen Sie auch unseren Vergleich mit anderen Anbietern unter Johanniter im Vergleich.

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